Insolvenz, wie geht es einem dabei?

Man spricht so gerne über “jede Krise ist eine Chance” etc. Wenn einem eine existenzielle Krise dann erwischt, ist es immer etwas anderes.
Mich persönlich hat die Insolvenz letztes Jahr -und die rund 24 Monate davor - schon sehr mitgenommen. Ich hatte sehr viel Herzblut in das Unternehmen investiert – und dies hat auch in vielen Bereichen vieles bewirkt - und so waren die wirtschaftlichen Probleme eine große Belastung.

Insolvenz Unternehmensgruppe Wozabal. Die Firmengruppe Wozabal musste am 31.8.2017 Insolvenz anmelden. Rund 800 Mitarbeiter an 7 Standorten waren betroffen. Die Passiva betrugen rund € 77 Millionen.  Das Unternehmen wurde fortgeführt und großteils per 31.1.2018 an Salesianer Miettex verkauft. Der Standort Rankweil wurde von der Schweighofer Textilservice GmbH erworben.

Über die Ursachen der Insolvenz werde ich vielleicht in einem separaten Blog schreiben. Hier möchte ich nur erwähnen, dass wir 2 schwere Verlustjahre hatten, aber durch die enorme Leistung der Führungskräfte, der engagierten Mitarbeiter und der ansonsten sehr guten Ausrichtung des Unternehmens sich die Gruppe insgesamt operativ erholt hatte. Wir bezahlten alle Zinsen, konnten rund die Hälfte der Fremdfinanzierung zurückzahlen, die Lieferfähigkeit war gut bis sehr gut und der monatliche Cashflow verbesserte sich, wobei wir allerdings die extremen Beraterkosten von rund € 2.000.000 p.a. kaum stemmen konnten. Darum hatte ich bis zum Schluss Hoffnung, dass man die Unternehmensgruppe noch retten kann.

Bis zuletzt hatte ich versucht, das Unternehmen zu refinanzieren - und anschließend gab es noch einen scheinbaren Lichtschimmer, eventuell ein Gegenangebot zu legen und das Unternehmen aus der Masse zu kaufen.
Es wollte nicht sein.
Als dann alles vergebens war, hatte ich eine kleine Entlastungsdepression für rund 6 Wochen. Es war dann sprichwörtlich nichts zu tun. Vorher ein voller Terminkalender und eine 60-80-Stundenwoche, kein Urlaub und keine Feiertage für 2 Jahre. Insgesamt waren es mehr als 25 Jahre, in der ich die meiste Kraft in das Unternehmen investierte. Dann auf einmal gähnende Leere.
Gähnende Leere – unterbrochen durch Fragen wie „Was habe ich verabsäumt?“ „Wo habe ich falsche Entscheidungen getroffen?“ „Was hätte ich besser machen können?“, der Suche nach den Ursachen,…die Verantwortung, die ich immer für mein Tun übernommen habe, lastete schwer auf meinen Schultern.

Als Christ gab mir der Glaube auch viel Halt. Einerseits ist dies eine Basis im Leben, die nicht erschüttert wird und andererseits bewahrt das Gebot der Vergebung vor Verbitterung in einer solchen Situation. Trotzdem war es nicht einfach den Ausgang anzunehmen. Aber Gott ist gut und genau das konnte ich auch wieder erfahren.
Was mir in der ganzen Zeit ebenfalls enorm geholfen hat, war, dass meine Frau und meine Familie absolut hinter mir gestanden sind. Dafür bin ich zutiefst dankbar. Ich weiß, dies ist absolut keine Selbstverständlichkeit, sondern ein sehr, wirklich sehr großes Geschenk!
Wir haben dann zusammengearbeitet – meine Frau hat bis heute die privaten Finanzen auf das mindeste heruntergestrichen, da wir alles Geld immer ins Unternehmen investiert hatten und viele Rechnungen (für z B Berater um das Unternehmen zu retten) privat auch noch bezahlen mussten.

Ich habe in dieser Situation erkannt, dass ich viele ehrliche Freunde habe – selbst dann, wenn ich nicht mehr einflussreich bin. Naturgemäß kennen mich einige nicht mehr, aber umso mehr hat es mich gefreut, an alte Freundschaften und Kontakte anzuknüpfen..
Was mich unter anderem noch Monate danach belastete, waren die Ex-Mitarbeiter. Die Führungskräfte und Mitarbeiter hatten in der Krise für das Unternehmen mit vollem Einsatz gekämpft und bis zuletzt gehofft. Das endgültige Aus kam für viele daher sehr unerwartet. Ich fühlte mich immer sehr verantwortlich gegenüber den Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten - und es war außerordentlich schwierig, jetzt nichts mehr tun zu können.

Das erste halbe Jahr 2018 durfte ich dann eine Ex-Führungskraft unterstützen, den Betrieb in Rankweil, den er aus der Masse gekauft hatte, neu durchzustarten. Dies war sehr erfolgreich und ich konnte dieses Projekt Ende August 2018 beenden.
Gegen Ende des Sommers war dann der Garten meine Hauptaufgabe (neue Holzterrasse, Drainage, Hochbeet, …). Wenn man dann über 8 to Material manuell bewegt, sich körperlich total verausgabt, kann man einiges abreagieren und verarbeiten. Somit verschwindet gerade die stressvolle Zeit und ich bin nun wieder bereit für Neues.

Ich bin um einige Erfahrungen reicher geworden. Erfahrungen, die ich nicht machen wollte, die mich aber wachsen ließen – Erfahrungen, die ich gemeinsam mit meinen Management Fähigkeiten nun weitergeben kann. Dies ist nun unter anderem eine wesentliche Perspektive meinerseits.

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